Das schreckliche Mädchen

Letzte Woche behandelten wir „Das schreckliche Mädchen“ von Michael Verhoeven aus dem Jahre 1990. Basierend auf der wahren Geschichte der Anna Rosmus aus Passau, folgt der in der imaginären Stadt Pfilzing der 70er Jahre spielende Film seiner Hauptfigur Sonja Wegmus bei ihren Recherchen über die Nazi-Vergangenheit der Stadt. Zu Beginn der Handlung gewinnt sie, sehr zum Stolz der Stadtbewohner, den ersten Preis eines vom Bundespräsidenten ausgerufenen Aufsatzwettbewerbs. Angespornt durch ihren Erfolg, entscheidet sie sich bei der Neuauflage des Wettbewerbs für das Thema „Meine Stadt im Dritten Reich“ und fördert im Rahmen ihrer Nachforschungen unbequeme Tatsachen zutage. Sie stößt auf den Widerstand ihrer Mitbürger, welche eine Aufarbeitung der Geschehnisse jener Zeit vehement ablehnen. Die Bewohner der Stadt zeigen wenig Skrupel gegenüber der „Nestbeschmutzerin“ und so durchschlägt am Tage ihrer Hochzeit ein Backstein die Heckscheibe des Autos des Brautpaares und verfehlt dieses nur knapp. Unbeirrt verfolgt Sonja ihr Ziel weiter und nimmt sich, angetrieben durch den Widerstand den sie erfährt, nach Ablauf der Einsendefrist erneut des Themas an. Aus dem Aufsatz wird ein Buch, aus Backsteinen werden Sprengstoffanschläge. Sie nimmt die Gefährdung Leib und Lebens ihrer Familie in Kauf und lässt von ihrer Suche nach der Wahrheit selbst dann nicht ab, als ihr Mann Martin sie verlässt. Sie zahlt den Preis, überwindet sämtliche Hürden und wird letzten Endes des Phantoms „Brauner Heinrich“ habhaft.  Als dessen Identität publik wird, wendet sich die Stadt von ihm ab und Sonja wird abermals gefeiert. Sonja realisiert, dass ihre Mitbürger nichts gelernt haben und sie nur ehren, um auf der richtigen Seite zu stehen und sie von weiteren unangenehmen Enthüllungen abzuhalten. Der Film endet mit Sonjas Flucht zum Hutebaum: „Lass sie mich nicht kriegen!“ Dem Zuschauer stellt sich die Frage nach dem Wert der Wahrheit und gleichzeitig weist das offene Ende daraufhin, dass es nicht um Wahrheit als etwas abgeschlossenes geht, sondern um die Wahrheitssuche an sich, die Bereitschaft sich mit der Wahrheit – über Bequemlichkeit und Scham hinweg – auseinanderzusetzen.

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