Der Vorleser

Der dritte Film, den wir in der Klasse angeschaut und besprochen haben, war “Der Vorleser”. Die Handlung beginnt im   Jahre 1958 und erzählt zunächst von der Beziehung des  15-jährigen Michael mit der bedeutend älteren   Straßenbahnschaffnerin Hanna. Hanna nimmt sich seiner an, als Michael, der an der Gelbsucht erkrankt ist,   zusammenbricht. Nach seiner Gesundung sucht er Hanna auf, um sich bei ihr zu bedanken. Weitere Begnungen folgen, die   beiden beginnen eine Affäre, einen Sommer lang. Eng verknüpft mit dem Sex ist das Vorlesen von Literaturklassikern, worum Hanna Michael immer bittet. Die Liason endet abrupt, als Hanna eine Weiterbildung zur Tramführerin antritt. Erst 1966 begegnen sich die beiden wieder: Er ist Jurastudent und verfolgt einen Prozess gegen ehemalige KZ-Aufseherinnen. Zu seinem Entsetzen findet er Hanna unter den Angeklagten. Hauptanklagepunkt ist der Mord an 300 KZ-Insassen, die während eines Bombardements in einer Kirche verbrannten, da man ihren Tod einem Entkommen vorzog. Zur Sprache kommt auch, dass Hanna sich von Lagerinsassinnen, kurz bevor diese zur Vernichtung ins Hauptlager zurückgeschickt wurden,   vorlesen lies. Man  unterstellt ihr sadistische Motive. Nur Michael wird klar, dass Hanna Analphabetin ist und   deswegen, einerseits aus Unwissen, andererseits aus Scham, mehr Schuld auf sich nimmt als die anderen Angeklagten. Hannas einzige Verteidigung bleibt, nur ihre Arbeit getan zu haben. Sie versteht nicht wie sie, die nur ihre Arbeit   gut machen wollte, sich in dieser Situation wiederfindet. Er greift nicht ein und sie wird als Hauptangeklagte zu   lebenslanger Haft verurteilt. Er beginnt nach einiger Zeit ihr Tonbänder zu schicken, auf denen er ihr vorliest. Sie bringt sich mit Hilfe dieser Bänder und Büchern aus der Gefängnisbücherei selbst Lesen und Schreiben bei, was ihr  ermöglicht, Michael zu schreiben. Er antwortet nicht, obwohl – oder gerade weil – er noch immer in ihrem Bann steht.   Ein erneutes Wiedersehen findet kurz vor Hannas geplanter Entlassung statt, da Michael sich auf bitten der JVA   widerwillig bereit erklärt hat, ihr, die keine Verwandten hat, unter die Arme zu greifen. Bei diesem Treffen wird   offenbar, dass während Hannna Michael immer noch mehr oder weniger als denselben sieht, dieser sich entfremdet hat.   Hannas Tun im Dritten Reich scheint eine bedeutend höhere Signifikanz für Michael zu haben, als für  Hanna selbst. Dass Hanna, welche kurz vor ihrer Entlassung Selbmord begeht, ihr Erspartes den Juden zugutekommen   lassen will, suggeriert, dass erst Michaels Kälte bei ihrmem letzen Treffen eine tiefere Einsicht bewirkt hat.

Persönlich hat mir der Film sehr gut gefallen. Er ist dicht an der literarischen Vorlage gehalten, was nicht zuletzt   den hervorragenden Leistungen der Besetzung gedankt ist.

Posted in Uncategorized | Leave a comment

Das schreckliche Mädchen

Letzte Woche behandelten wir „Das schreckliche Mädchen“ von Michael Verhoeven aus dem Jahre 1990. Basierend auf der wahren Geschichte der Anna Rosmus aus Passau, folgt der in der imaginären Stadt Pfilzing der 70er Jahre spielende Film seiner Hauptfigur Sonja Wegmus bei ihren Recherchen über die Nazi-Vergangenheit der Stadt. Zu Beginn der Handlung gewinnt sie, sehr zum Stolz der Stadtbewohner, den ersten Preis eines vom Bundespräsidenten ausgerufenen Aufsatzwettbewerbs. Angespornt durch ihren Erfolg, entscheidet sie sich bei der Neuauflage des Wettbewerbs für das Thema „Meine Stadt im Dritten Reich“ und fördert im Rahmen ihrer Nachforschungen unbequeme Tatsachen zutage. Sie stößt auf den Widerstand ihrer Mitbürger, welche eine Aufarbeitung der Geschehnisse jener Zeit vehement ablehnen. Die Bewohner der Stadt zeigen wenig Skrupel gegenüber der „Nestbeschmutzerin“ und so durchschlägt am Tage ihrer Hochzeit ein Backstein die Heckscheibe des Autos des Brautpaares und verfehlt dieses nur knapp. Unbeirrt verfolgt Sonja ihr Ziel weiter und nimmt sich, angetrieben durch den Widerstand den sie erfährt, nach Ablauf der Einsendefrist erneut des Themas an. Aus dem Aufsatz wird ein Buch, aus Backsteinen werden Sprengstoffanschläge. Sie nimmt die Gefährdung Leib und Lebens ihrer Familie in Kauf und lässt von ihrer Suche nach der Wahrheit selbst dann nicht ab, als ihr Mann Martin sie verlässt. Sie zahlt den Preis, überwindet sämtliche Hürden und wird letzten Endes des Phantoms „Brauner Heinrich“ habhaft.  Als dessen Identität publik wird, wendet sich die Stadt von ihm ab und Sonja wird abermals gefeiert. Sonja realisiert, dass ihre Mitbürger nichts gelernt haben und sie nur ehren, um auf der richtigen Seite zu stehen und sie von weiteren unangenehmen Enthüllungen abzuhalten. Der Film endet mit Sonjas Flucht zum Hutebaum: „Lass sie mich nicht kriegen!“ Dem Zuschauer stellt sich die Frage nach dem Wert der Wahrheit und gleichzeitig weist das offene Ende daraufhin, dass es nicht um Wahrheit als etwas abgeschlossenes geht, sondern um die Wahrheitssuche an sich, die Bereitschaft sich mit der Wahrheit – über Bequemlichkeit und Scham hinweg – auseinanderzusetzen.

Posted in Uncategorized | Leave a comment

Keinohrhasen

Hallo Welt.

Dies ist mein erster Eintrag für den Kurs „Neues Deutsches Kino“ am McDaniel College in Westminster, Maryland. Den Kurs besuche ich, um den Posten „Creative Expression“ meines Studienplans abzudecken. Ich wäre auch sonst sehr gern da, allerdings würde ich mir das Bloggen wahrscheinlich verkneifen. Mir ist das nicht anonym genug, da ja zumindest meine Kommilitonen wissen werden, dass ich dahinterstecke.

So, nun aber weiter zu Til Schweigers romantischer Komödie „Keinohrhasen“ von 2007, die uns Kursleiter Dr. Mohamed Esa vergangene Woche zeigte. Zunächst muss ich sagen, dass ich lange nicht mehr so viel gelacht habe. Obwohl dem Film ein recht banales Strickmuster zugrundeliegt (zwei verlieben sich, verlieren einander, alles scheint verloren, Wende, Happy End), ist es Schweiger bei der tatsächlichen Umsetzung gelungen, etwas Einzigartiges zu schaffen. Maßgeblich hierfür ist der mitunter derbe Humor, der von einer hochkarätigen Besetzung getragen wird. Für die weibliche Hauptrolle der Kindergärtnerin und grauen Maus Anna Gotzlowski engagierte Schweiger Nora Tschirner, während er selbst den männlichen Gegenpart des triebgesteuerten Boulevardreporters Ludo Decker übernahm. Aus der Verschiedenheit der beiden Hauptcharaktere ließ Schweiger unzählige Situationen entstehen, deren Komik sich auch Menschen mit unterentwickeltem Sinn für Schadenfreude schwerlich entziehen können. Die allmähliche Annäherung der beiden im Verlauf der Handlung verändert auch den Humor des Films dahingehend, dass man weniger über die beiden, als mit ihnen lacht. Diese Annäherung bringt auch die Gefahr des Verlustes mit sich, wodurch der Film an Dramatik gewinnt. Der Zuschauer ist hin- und hergerissen zwischen Mitfiebern und – lachen, während die grandios gespielten Kinderrollen, dem Ganzen eine Niedlichkeit verleihen, der sich selbst der größte Griesgram nicht zu entziehen vermag.

Posted in Uncategorized | Leave a comment

Hello world!

Welcome to WordPress.com. This is your first post. Edit or delete it and start blogging!

Posted in Uncategorized | 1 Comment